NIHK-Fokus Niedersachsen: Starke Zentren – schwache Regionen?

Praxisbeispiele aus Handel und anderen Bereichen zeigen jedoch: Innovative, regionale Lösungswege greifen

In vielen ländlichen Regionen Niedersachsens ist der demographische Wandel bereits deutlich spürbar. Auch die dort angesiedelten Unternehmen sind davon unmittelbar betroffen. „Hier besteht absoluter Handlungsbedarf“, sagt Dr. Susanne Schmitt, Hauptgeschäftsführerin. Ziel müsse es sein, die Wettbewerbsfähigkeit der dort ansässigen Betriebe auch künftig zu sichern. „Dafür gibt in ganz Niedersachsen nachahmenswerte Modelle und innovative Lösungswege, bei denen Politik und Wirtschaft mit privaten Akteuren Hand in Hand an einer Verbesserung der Situation arbeiten.“ Der aktuelle Fokus Niedersachsen des NIHK stellt die dringendsten Herausforderungen sowie best-practice-Beispiele aus ganz Niedersachsen vor. „Bei der Entwicklung und Umsetzung solcher Initiativen und Projekte bieten wir als IHKs den Entscheidungsträgern aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung gerne unsere Unterstützung an“, so Schmitt.
Die größte Herausforderung für den ländlichen Raum besteht im Erhalt der wirtschaftlichen Basis und damit der Vermeidung von Versorgungslücken. Dem begegnet beispielsweise der Zukunftsfonds Ortsentwicklung 3.0 des Landkreises Osnabrück, der mit dem Förderschwerpunkt „Onlinehandel“ Akteure vor Ort dabei unterstützt, Konzepte zu entwickeln und umzusetzen. Mit einem anderen Programm zur Förderung von Einrichtungen der wohnortnahen Nahversorgung leistet der Landkreis Emsland einen wichtigen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit der Dörfer. Hier werden zum Beispiel Dorf- und Nachbarschaftsläden sowie kleine Dienstleistungs- und Grundversorgungszentren gefördert.Großprojekte „auf der Grünen Wiese“ und der Onlinehandel machen den Innenstädten, Stadtteilzentren und Ortskernen in Niedersachsen große Konkurrenz. Starke Zentren mit Magnetbetrieben zu erhalten und zu stärken ist daher eine wichtige Aufgabe. Dieser kann man beispielsweise durch Einzelhandelskonzepte sowie Stadt- und Citymanagement begegnen. Am Beispiel des Regionalen Einzelhandelskonzepts des Landkreises Stade kann man nachvollziehen, wie eine solche Maßnahme gestaltet werden kann und welche positiven Effekte sich daraus ergeben.

Auch grenzübergreifende Initiativen haben sich gebildet und bewährt. Ein Beispiel dafür ist das Regionale Zentren- und Einzelhandelskonzept Region Bremen e.V., ein Kommunalverbund von 28 Kommunen aus Niedersachsen und Bremen mit dem Ziel, die vorhandenen Entwicklungsspielräume für den Einzelhandel zur Stärkung der Zentren und Ortskerne zu nutzen.

Um der Abwanderung von expansionswilligen Unternehmen zu begegnen kann man in vielen Regionen den Trend hin zu mehr kommunaler Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Gewerbeflächen beobachten. Ein Beispiel dafür ist der Interkommunale Gewerbepark Waller See, bei dem die Stadt Braunschweig gemeinsam mit der Gemeinde Schwülper (Landkreis Gifhorn) ein mehr als 90 Hektar großes Gewebegebiet an der A2 entwickelt und vermarktet hat.

Die demografische Entwicklung wird darüber hinaus den Fachkräftemangel weiter verstärken. Das Standortmarketing wird in diesem Bereich eine immer wichtigere Rolle spielen. Auch hier hat es sich bewährt, dass Kommunen im Verbund gestärkt in den Wettbewerb um Fachkräfte und Unternehmen gehen. Zum Beispiel bei der Fachkräfteinitiative der Ems Achse e.V. stehen nicht nur die Fachkräfte, sondern auch Familien und – als Fachkräfte von morgen – Kinder, Jugendliche und Rückkehrer im Fokus.

Ein weiteres wichtiges Handlungsfeld ist der Ausbau der digitalen Infrastruktur. Die Digitalisierung sämtlicher Lebens- und Wirtschaftsbereiche macht eine flächendeckende Breitbandversorgung unerlässlich. Um die Chancen der neuen Technologien umfassend zu nutzen, müssen rechtzeitig innovative und attraktive Anwendungen entwickelt werden. Gemeinsam mit dem Kaufmännischen Verein hat die Stadt Verden beispielsweise einen virtuellen Einkaufsführer erstellt, der anwenderfreundlich alle Einzelhändler, Dienstleister und Gastronomen der Verdener Innenstadt präsentiert.

„Es gibt in Niedersachsen eine ganze Fülle von richtungsweisenden Ansätzen um den Auswirkungen des demografischen Wandels entgegenzuwirken. Dabei müssen Politik und Verwaltung gemeinsam mit den Unternehmen an einem Strang ziehen – gerne zusammen mit den IHKs“, resümiert Eckhard Lammers, NIHK-Sprecher für Raumordnung und Regionalpolitik.

Mehr zum Thema lesen Sie im aktuellen NIHK-Fokus Niedersachsen.
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